Sonntagsfreude: ein Konzert

Meine heutige Sonntagsfreude ist der Nachklang des Konzerts, das ich gestern erlebt habe. Im Rahmen der Achava-Festspiele war The Idan Raichel Project in der Stadt.

Das Festival dreht sich vor allem um jüdische / israelische Kultur, es gibt aber auch Gesprächsveranstaltungen u.a. zu verschiedenen Krisengebieten – auch über den nahen Osten hinaus – und zu religiösen Themen jeweils im Blickwinkel von Judentum, Christentum und Islam.

Unter den Konzerten habe ich mir The Idan Raichel Project ausgesucht, weil ich dieses Projekt schon eine Weile kenne und diese Musik wirklich liebe. Idan Raichel selbst lebt in Tel Aviv, er schreibt anscheinend alle Lieder, nimmt dabei aber Einflüsse auf aus vielen Weltgegenden und insbesondere von den Musikern aus aller Welt, mit denen er zusammenarbeitet. Die Texte sind großenteils hebräisch, vieles aber dann auch arabisch, amharisch, spanisch, portugiesisch … anders gesagt: viel versteht man nicht :-) (auch ich nicht, die ich mich immerhin schon mal mit Bibelhebräisch auseinandergesetzt und einige Zeit in Israel verbracht habe: im Schnitt kenne ich immerhin so drei Wörter pro Lied.)

Das Konzert fand im Heizwerk statt, einem alten entkernten Industriebau, eine sehr rauhe Location – und dann diese für mich oft traumschöne Musik, dazu einiges an Lichterspiel. Das Konzert begann mit Idan Raichel singend am Klavier, unterstützt von Schlagzeug und Bass, dann kamen nach und nach ein Gitarrist, ein Flötist, zwei Sängerinnen und schließlich ein Sänger dazu, und so entwickelte sich das ganze von einem leisen, fast lyrischen Anfang bis zur dynamischen orientalisch-afrikanischen Party, und in den Zugaben dann das Gleiche nochmal im Schnelldurchgang.

Ich habe es sehr genossen, und es hat mich wirklich sehr erfüllt, und heute klang das noch nach – und natürlich habe ich auch manches nochmal gehört oder auch auf Youtube angesehen. Wer einen ungefähren Eindruck bekommen möchte, kann sich hier ein Konzert vom letzten Jahr in Berlin ansehen (weitgehend mit den selben wunderbaren Musikern, bei uns gestern allerdings ohne den Gastauftritt von Andreas Scholl – was natürlich nochmal ein besonderes Highlight gewesen wäre -, aber dafür mit einem äthiopischen Sänger, der etliche Lieder im Original sehr prägt und der gestern maßgeblich für die „Partystimmung“ gegen Ende gesorgt hat). Meine Favoriten verrate ich Euch auch noch: Mima’amakim, „Aus den Tiefen“. Der Anfang stammt von Psalm 130 „Aus der Tiefe rufe ich zu dir“ – aber dann geht es nicht als Gebet weiter, sondern, wie die meisten Stücke, als Liebeslied. Das war das erste, was ich kannte und mir dann Lust auf mehr gemacht hat. Dann Hinach Yafah („Du bist schön“) und Todos los palabras und … nein, ich hör jetzt auf.

Wenn ich bedenke, wie schön dieser Abend war und wieviel Freude ich heute noch daran hatte (und, wer weiß, vielleicht auch noch ein paar Tage länger …), wird mir klar: ich mache sowas viel zu selten. Ich glaube, das wird jetzt anders. Zumindest nehme ich es mir mal vor.

Die Sonntagsfreuden sammelt Barbara bei 60° Nord.

(Aus rechtlichen Gründen leider nur ein Bild von der Location vor dem Konzert …)

heizwerk2

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