Aufgefrischt

Da habe ich doch gerade einen kleinen Schreck bekommen: in einem anderen Blog fand ich meins in der Blogroll mit der Info „(zuletzt aktualisiert) vor 3 Monaten“. Ups! Drei Monate? Gut, deklarieren wir’s zur Sommerpause …

Natürlich ist allerhand passiert in der Zeit (allerdings ist auch manches nicht passiert, was hätte passieren sollen, aber nun gut … so ist das Leben). Für den Anfang zeige ich mal einen Hocker, den ich vor ein paar Wochen ein bißchen aufgefrischt habe. Angeschliffen, zweimal lackiert … viel mehr wäre dazu gar nicht zu sagen. Das war jetzt nicht so das ganz große Kreativprojekt.

Warum es also überhaupt erwähnen? Nun ja, für mich ist das ein besonderer Hocker: erstens ist er mein einziges Möbelstück aus meinem Elternhaus. Zweitens, und das hat überraschenderweise einigen sentimentalen Wert, hat meine Mutter damit schon einmal das Gleiche getan wie ich jetzt: sie hat ihn lackiert, und zwar vor über 40 Jahren für mein Kinderzimmer. Als ich sechs war, bekamen wir eine neue Küche, die in mein damaliges Kinderzimmer kam – und ich bekam ein neues Zimmer dort, wo vorher die Küche war. Und für dieses neue Zimmer hat meine Mutter damals einige alte Möbel gestrichen: in weiß, dunkelrot und meiner damaligen Lieblingsfarbe, die ich „rosalila“ nannte und die extra angemischt wurde. Der Hocker wurde rosalila und hat einige Jahre mit mir verbracht und sich bereitwillig als Requisit in meinen Spielen nutzen lassen. Irgendwann war mein Faible für rosalila vorbei, und der Hocker wanderte aus meinem Zimmer hinaus „hinter den Vorhang“, was eine durch einen Vorhang abgeteilte Abstellecke in der Wohnung war. Meine Mutter hat ihn noch lange benutzt, um draufzusteigen, wenn etwas für sie unerreichbar hoch war, aber nicht so hoch, daß sie bereit war, die Leiter dafür zu holen. Aber irgendwann kam dann für diesen Zweck ein kleiner Haushaltstritt, und der Hocker wanderte auf den Speicher. Von da habe ich ihn dann vor zwei, drei Jahren mitgenommen.

Weil das rosalila nicht wirklich in meine Wohnung paßt, habe ich zuerst einen etwas dilettantischen Versuch gestartet, ihn mit roter Bastelsprühfarbe herzurichten. Das wurde eher so mittel. Und so habe ich jetzt, wo der Hocker wirklich in täglichen Gebrauch kommen soll (davon ein andermal mehr) und er deshalb auch an einer sehr sichtbaren Stelle stehen wird, das mal ein bißchen sorgfältiger gemacht. Vor allem erst einmal alles schön mit dem Multischleifer angeschliffen – was das alte Rosalila noch einmal herausbrachte, und damit eine Menge Erinnerungen. Meine Mutter war damals jünger als ich jetzt, und ich glaube, Anfang der 70er ging eine (erste?) DIY-Welle durch Land, jedenfalls durch die Frauenzeitschriften. So weit war sie irgendwie gar nicht weg von den Frauen des Kreativblogzeitalters. Irgendwie bewegt es mich immer, meine Mutter von „damals“, jetzt, wo ich ihr altersmäßig relativ nahe bin, noch einmal mit anderen Augen zu sehen als in der Zeit selbst.

Das Schöne daran, daß ich die Oberfläche nur anschleifen mußte: Die Farbe, die meine Mutter damals aufgebracht hat, ist zum großen Teil noch da. Sie ist nach dem Überstreichen nicht mehr zu sehen, aber bleibt als eine Schicht, die dazugehört zur Geschichte dieses simplen Hockers – und irgendwie auch zu meiner.

Hocker_neu

0

2 Kommentare zu Aufgefrischt

  1. Das erlebe ich grad auch ganz intensiv, dass ich jetzt in dem Alter bin, wo ich meine Mutter ganz intensiv in Erinnerung habe! Da sieht einiges noch mal ganz schön anders aus, verstehe ich bei einigem erst, was da wohl dahinter gestanden aht und wie sie es wohl erlebt hat.

Kommentare sind deaktiviert.