Mit Ernst …

stern_adv1Mein Lieblings-Adventslied hat leider den Sprung in den Stammteil des neuen Gotteslobs nicht geschafft. Früher war es mal Nummer 113, aber es wurde leider sehr selten im Gottesdienst verwendet; es war immer etwas Besonderes für mich, wenn diese Nummer angezeigt und das Lied gesungen wurde. Mehr als einmal im Jahr kam das kaum einmal vor, oft auch gar nicht. Viele kennen das Lied daher überhaupt nicht. Und so hat man sich für den gemeinsamen Stammteil von diesem Lied verabschiedet; wir hier im Osten haben es immerhin noch (nur dreistrophig) im Eigenteil unter der Nummer 731.

Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt,
bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held,
den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben
versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.

Bereitet doch beizeiten den Weg dem großen Gast;
und rüstet euch mit Freuden, lasst alles, was er hasst;
macht eben jeden Pfad, die Täler all erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, macht gerad.

Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht;
ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht;
ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten,
das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.

Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit
aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit.
Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen,
so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.

(Valentin Thilo, 1642)

Vorbereitung ist hier das Thema für den Advent. Aber nicht der Weihnachtsputz, die geschmackvolle Deko für das Fest oder das Besorgen und Verpacken von Geschenken, nicht die Weihnachtspost und auch nicht die Planung des Festmenüs sind gemeint. Nein, um unser Herz geht es. Unser Herz soll bereit sein, in ihm der Weg gebahnt sein für den Herrn. Beschrieben wird das in den Bildern, die der Prophet Jesaja verwendet:

Eine Stimme ruft: / Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße / für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben, / jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, / und was hüglig ist, werde eben.

(Jes 40,3-4)

Moment – in der Wüste? Ist denn mein Herz eine Wüste? Dürres, trockenes Land ohne Wasser, ohne Leben? Ja, ich fürchte, allzu oft ist das so. Aber das ist gar nicht der Punkt. Auch durch die Wüste, in die Wüste kann und will der Herr kommen. Aber einen Weg freischaufeln, das muß sein. Zumindest so gut es geht.

Ich erinnere mich, daß es in der ersten Adventszeit, nachdem bei mir der Glaube ausgebrochen war, ein großes Aha-Erlebnis für mich war, daß es gar nicht nur um die Geburt Jesu im Stall zu Betlehem ging, wenn vom Advent, der Ankunft des Herrn die Rede war. Es ging auch um die Wiederkunft Jesu, und nicht zuletzt um etwas, was ich gerade selbst anfanghaft erlebt hatte: die Ankunft Jesu in mir selber. Und das ist von allen drei „Ankünften“ die, auf die es am meisten ankommt: „Wäre Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst noch ewiglich verloren“, so sagt es Angelus Silesius. Was einmal für die Welt geschehen ist, muß bei mir selbst Wirklichkeit werden für mich, immer mehr, immer tiefer.

Und wie soll das gehen? Es hat schon seinen Grund, daß der Advent neben der Fastenzeit die zweite große Bußzeit im Kirchenjahr ist. Auch wenn es keine besondere Fastenpflicht mehr gibt in diesen Wochen – die violetten Gewänder im Gottesdienst erinnern immer noch an den Ernst dieser Zeit. Und manches können wir tun: beten, uns in der Stille besinnen, zum Gottesdienst gehen, über unsere dunklen Seiten nachdenken und dann beichten … Und wenn man mit all dem so überhaupt nicht vertraut ist? Vielleicht für den Anfang wenigstens mal ein wenig zur Ruhe kommen …

Aber das Schöne ist: wir müssen das nicht alles selbst bewältigen und mit unserem Klappspaten eine ganze Wüste umgraben. Das Wesentliche tut Gott schon selber, er selbst ist es, der uns bereit macht, der uns das einfach schenken kann.

Wir müssen ihn nur lassen. Aber genau das ist die Kunst. 😉

***

Das nächste Türchen im Blogoezesen-Adventskalender findet Ihr morgen auf Das hörende Herz.

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11 Kommentare zu Mit Ernst …

  1. Schön, dass dieses ur-reformatorische Lied (die erste Strophe legt das „sola gratia“ aus!) auch in der katholischen Blogozese Anklang findet!

  2. Vielleicht ein Grund evangelisch zu werden? 😉

    Bei uns ist’s Nr. 10 mit 4 Strophen und hat ein eingeklammertes „ö“(kumenisch) dahinter…
    Ich kenne es gut, es ist auch traditionell das Wochenlied (Hauptlied) der ev. Kirchen am nächsten Sonntag den 18.12.2014, also am 3.Advent! Wer es mal wieder singen will ist herzlich eingeladen!

    Liebe Grüsse, Gott befohlen, Meike B.

    • Hallo Meike!
      Nein, das mit dem evangelisch werden lasse ich dann lieber – das war ich schon. Hat für mich persönlich nicht so richtig gut funktioniert. 😉
      Ich singe das Lied dann halt einfach manchmal so für mich, wenn es nicht im Gottesdienst vorkommt; das ist auch ganz schön.

      Liebe Grüße!

      • Die Konfession ist mir eigentlich auch Wurscht.
        Hauptsache ist: Jesus Christus als Erlöser annehmen und HErr sein lassen über’m eigenen Leben!
        Gesegnete Adventszeit!
        Meike B.

  3. Hallihallo, liebe Andrea,
    als ich bei einem Besuch in Augsburg am vergangenen Sonntag in der Abendmesse dieses Lied singen durfte, musste ich gleich an dich denken. :) Im Augsburger Eigenteil hat es also auch einen Platz gefunden.
    Viele Grüße!

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