Theologie beim Einkaufen

Zur Zeit ist für mich auf Facebook kein Entkommen: die Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie, die gerade im Vatikan stattfindet, wird rauf und runter diskutiert. Viele, viele meiner Freunde und Kontakte haben klare, sehr klare Vorstellungen was dabei am Ende auf gar keinen Fall herauskommen darf und reagieren heftigst auf alles, was das erwünschte Ergebnis im Geringsten in Frage stellen könnte.

Mich nervt das alles ehrlich gesagt gerade ziemlich. Ich wäre für mehr Vertrauen in den theologischen Sachverstand und die Intentionen der Bischöfe und vor allem für mehr Vertrauen in den Heiligen Geist, als mir in den Facebook-Debatten begegnet – und folglich für mehr Gelassenheit.

Und so ließ ich irgendwann den Spruch los: „Gott sei Dank gab es beim Konzil von Nicäa noch kein Internet!“ … wer weiß, was das für Shitstorms gegeben hätte, haben damals doch sogar die Bischöfe ihre theologischen Positionen zuweilen tätlich ausgefochten: der heilige Nikolaus von Myra (ja, genau der mit dem Nikolaustag …) soll der Legende nach den Arius (der eine Irrlehre  vertrat) beim Konzil geohrfeigt haben.

Allerdings, auch ohne Internet wurde man im vierten Jahrhundert anscheinend überall von den theologischen Debatten verfolgt, zu denen Konzilien abgehalten wurden – zumindest erzählt es so Gregor von Nyssa kurz nach dem 1. Konzil von Konstantinopel (381), an dem er teilgenommen hat:

Fragst du [beim Einkaufen], wieviel Obolen es macht, so philosophiert dir dein Gegenüber etwas von «Gezeugt» und «Ungezeugt» vor. Suchst du den Preis eines Stückes Brot in Erfahrung zu bringen, so erhältst du zur Antwort: «Größer ist der Vater, und der Sohn steht unter ihm.» Lautet deine Frage: «Ist das Bad schon fertig?», so definiert man dir, daß der Sohn sein Sein aus dem Nichts habe …


(Gregor von Nyssa, De deitate filii et spiritus sancti, [383], , KTGQ 1, 183)

Nun ja, wenn ich nachher einkaufen gehe, wird wohl niemand mit mir über Theologie diskutieren wollen – weder über die Göttlichkeit des Sohnes noch über die Sakramentalität und Unauflöslichkeit der Ehe … ich gebe zu: irgendwie ist das dann auch wieder schade.

Mir kann man es halt nicht recht machen.

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