Bloggertreffen

Ja, nun ist es schon vorbei, das große katholische Bloggertreffen 2014 – und die Nachlese und das Denen-die-nicht-dabei-sein-konnten-davon-Erzählen hat begonnen: hier kommt also mein persönlicher Rückblick.

Diesmal waren etwas weniger Teilnehmer dabei als in den Vorjahren. Leider waren wir etwas von zum Teil sehr kurzfristigen Absagen gebeutelt, und manche hatten sich wohl wegen Terminüberschneidungen (z.B. mit dem Marsch für das Leben gestern in Berlin) gar nicht erst angemeldet. Schließlich waren es insgesamt 16 Bloggerinnen und Blogger, die sich am Freitag hier in Erfurt zusammengefunden haben.

Was ich bei den bisherigen Treffen schon erlebt hatte, zeigte sich wieder in der Vorstellungsrunde nach dem Abendessen: die Runde war bunt und interessant besetzt, mit Männern und Frauen, jungen und älteren, privaten und dienstlichen Bloggern, Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen und geistlichen Heimathäfen. Und insgesamt fügte es sich recht gut und (fast immer) harmonisch zum Ganzen, was mit Blick auf die Treffen der vergangenen beiden Jahre, die nicht ohne für die ganze Gruppe deutlich spürbare Konflikte geblieben waren, ja nicht ganz selbstverständlich ist.

Natürlich waren die Begegnungen beim Essen, in den Pausen, am Abend ein großer Schwerpunkt des Treffens. Man trifft alte Freunde und Bekannte wieder, vertieft bisher eher flüchtige Kontakte, und manche bisher persönlich unbekannte Blogger, die man lesend schon lange gut (oder auch seltsam) fand, bekommen plötzlich ein Gesicht, einen Namen und entpuppen sich unter Umständen als interessantere und vielschichtigere Menschen, als man rein vom Bloglesen oder Facebook-Kontakt her hatte ahnen können.
Schön und wichtig auch das gemeinsame Gebet, auch wenn es diesmal gefühlt etwas kürzer kam als bei vorhergehenden Treffen (ich war aber zugegebenermaßen auch nicht immer dabei) – immerhin, die Vesper am Freitag und die Komplet am Sonntagvorabend bildeten eine schöne Klammer. Leider mußten einige früher abreisen, so daß die Sonntagsmesse im benachbarten Ursulinenkloster und das anschließende Frühstück nur noch einen Teil der Teilnehmer vereinten.

Ein weiterer großer Schwerpunkt war natürlich dem Thema „Das missionarische Potential der katholischen Bloggerszene“ gewidmet. Matthias Sellmann, Professor für Pastoraltheologie an der Ruhruni Bochum, führte das Thema „missionarische Pastoral“ ein. Einige seiner Thesen waren in der Runde durchaus kontrovers und hätten wohl mehr Diskussionszeit verdient gehabt, als das eng gesteckte Programm hergab.
Anschließend präsentierte Anna Heiliger die Ergebnisse ihrer Studie unter katholischen Bloggerinnen und Bloggern, die sie für ihre Masterarbeit durchgeführt und ausgewertet hatte. Frau Heiligers Arbeit, bzw. der Teil, der die Umfrage und ihre Auswertung darstellt, wird übrigens in absehbarer Zeit veröffentlicht werden und dann sicher noch unter uns Bloggern diskutiert werden.
Was mir zuerst einmal hängengeblieben ist, sind zwei Punkte: Zum einen war ich überrascht, daß mit rund einem Drittel doch ein relativ großer Teil der 59 Umfrage-Teilnehmer angab, der Begriff „Blogoezese“ sei für sie eher negativ besetzt oder sie lehnten ihn ganz ab. Danach wäre für mich zu überlegen, ob in bestimmten Zusammenhängen – wie etwa der Ausschreibung eines solchen Bloggertreffens – dieser Begriff vielleicht von vornherein einen nicht zu vernachlässigenden Teil der katholischen Blogger abschreckt und es deshalb besser wäre, ihn (und das entsprechende Logo) dann nicht zu benutzen, sondern neutraler zu formulieren.
Zum anderen glaubt zwar ein großer Teil der Befragten an ein großes und noch nicht ausgeschöpftes missionarisches Potential von katholischen Blogs, sieht die eigene Zielgruppe aber eher innerkirchlich. Da kann vielleicht die Frage für jeden sein: möchte ich mit meinem Blog überhaupt missionarisch sein, möchte ich Außenstehenden Christus nahebringen? Und wenn ja – was heißt das für die Art, wie ich blogge? Paßt das so, oder gibt es da bei mir „unausgeschöpftes Potential“, das ich noch freisetzen könnte und möchte – und wenn ja, wie mache ich das?
Aus der Diskussion wurde eine Idee zu einer „Challenge“ geboren, über die ich hier noch nicht mehr verraten möchte (vielleicht tun’s ja aber andere 😉 ).

(Update 22.9.: Die Plaßmann-Challenge ist bereits veröffentlicht!)

In dem Programmteil, der für von den Teilnehmern eingebrachte Themen zur Verfügung stand, sprach Maximilian Röll über die Präsentation von Blogs auf Facebook, und Peter Winnemöller brachte Überlegungen zu „Blogger relations“ ein: während die Industrie vielfach Kontakte zu thematisch für sie interessanten Bloggern hält und diese z.B. mit Informationen versorgt oder (ergebnisoffen!) zu Produkttests einlädt, gibt es vergleichbare Kontakte zwischen offiziellen kirchlichen Stellen und privaten katholischen Bloggern praktisch nicht – vielleicht könnten sie aber für beide Seiten interessant sein.

Zum Ausklang des thematischen Programms gab es am Ende noch ein etwas spielerisches Element: in einer „kleinen katholischen Typenlehre“ wurden (mit Augenzwinkern natürlich) zwölf katholische „Typen“ vorgestellt, denen die Teilnehmer Punkte zuordnen konnten: je drei grüne für „da finde ich mich wieder“ und drei rote für „das bin ich gar nicht“. Wenig überraschend, daß der „Lebensabschnittspartner“ und der „Minimalist“ viele ausschließlich rote Punkte sammelten, auch der große Überhang von grünen Punkten beim „Liturgiker“ war bei der Zusammensetzung der Gruppe nicht anders zu erwarten. Daß der „Missionar“ zehn grüne Punkte bekam, fand ich weniger vorhersehbar, aber schön. Insgesamt zeigte sich aber auch hier wieder die Unterschiedlichkeit der Teilnehmer – und die Texte machten bewußt, daß die Kirche diese verschiedenen, sich ergänzenden Typen braucht, die einander gegenseitig mittragen.

Nachdem in der Schlußrunde fast alle dafür votierten, im nächsten Jahr wieder ein solches Treffen zu veranstalten, hoffe ich, daß das gelingt, und hoffe ebenfalls, viele alte und dann auch neue Freunde und Bekannte beim Bloggertreffen 2015 (wieder-)zutreffen. (Überhaupt – was dreimal stattgefunden hat, ist ja eigentlich schon längst eine Tradition!)

kbt14_missionare

Andere Blogbeiträge zum Bloggertreffen:

Mein Senftopf: Einheit in der Vielfalt

Echo Romeo: Bloggertagung im Visier … äääh … Fokus. (Teil 1)

kephas: 12 Apostel, eine kleine katholische Typenlehre (= Teil 3(?) von Echo Romeo: Bloggertagung im Fokus)

Bethanien bloggt: Face to face

tà tôu phileirénou: Prophetie im Kreise der Blogger

katholon-Blog: Bloggertreffen #kbt14 – Rückblick

Sehen weniger gesehen werden: Jerusalem wird eine offene Stadt sein

– Weihrausch und Gnadenvergiftung: Kurzer Nachtrag zum Bloggertreffen

Gardinenpredigerin: Nachlese der Geschehnisse der letzten Wochen

Kirche in der Heide: Kirche im Web. 2. Katholisches Bloggertreffen in Erfurt

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1 Kommentar zu Bloggertreffen

  1. Vielen Dank für den Einblick in das katholische Bloggertreffen.
    Was mich angeht: mir ist es auf dem einzigen Bloggertreffen, auf dem ich war, zu eng gewesen. Durch meine berufliche Tätigkeit (Gemeindereferentin, Bistum Essen, Behindertenseelsorgerin, Evangelische Stiftung Volmarstein) bin ich viel mit Selbstreflexion im Team beschäftigt. Es sind unruhige Zeiten der Umstrukturierung – sowohl in der Kirche als auch im Feld der Behindertenpastoral. Da fühle ich mich auf BarCamps eher Zuhause, weil die schlicht offener strukturiert sind und eine Organisationsform darstellen, die schon im Ansatz nicht unterscheidet zwischen Experten und Zuhörern, sondern jeden Teilnehmer in die Pflicht nimmt.
    „Blogoezese“ als etwas zu erleben, dass verlässlich und liebevoll, interessiert und informierend ist, fände ich schön.

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